Afghanistan


Afghanistan

Afghānistan, der große nordöstl. Teil des iran. Hochlandes in Asien [Karte: Asien I], 558.000 qkm, ein hohes Bergland (Hindukusch) im N. und NO., mit den prachtvollsten Alpenlandschaften, die ihre Gewässer durch den Kabulfluß östl. dem Indus zusenden, während sich die weiter westl. und südl. liegenden Hochländer allmählich nach SW. neigen, wo sie in die Sandwüste von Seïstan übergehen. Jenseit der pers. Grenze nimmt der Hamunsumpf das Stromsystem des größten Flusses von A., des Hilmend, auf. Die Zahl der Bewohner, darunter etwa die Hälfte eigentliche Afghanen (Puschtun, Sprache Pachtu), iran. Volks- und Sprachstammes, beträgt etwa 5 Mill. Haupthandels- und Verkehrsplätze: Kabul, Kandahar, Herat. Die Regierung ist unumschränkt monarchisch (Emirat, d.i. Fürstentum); Landesreligion der sunnit. Islam.

Die Afghanen, die Paktyer des Herodot, drangen seit dem 9. Jahrh. in das Land ein, erlangten erst im 18. Jahrh. histor. Bedeutung, als Ahmad-Schah Abdali (1747-73), der sich den Namen Durr-i-Durrân (danach die Afghanen Durrani genannt) beilegte, ein mächtiges Reich gründete, das 1823 mit dem Sturz Mahmuds (gest. 1829) in mehrere Teile zerfiel. In Kabul herrschte Dost Mohammed, bis Schah Sudscha, der Bruder Mahmuds, welcher sich in Herat behauptet hatte, durch die Briten 1839 auf den Thron von Kabul und Kandahar zurückgeführt ward. Nachdem im Winter 1841-42 die Briten genötigt waren, unter furchtbaren Verlusten das Land zu verlassen, nahm Dost Mohammed seinen Thron in Kabul wieder ein, eroberte (1850-61) auch die übrigen Provinzen, schloß ein Schutz- und Trutzbündnis mit der indobrit. Regierung (30. März 1855) und gewann 26. Mai 1863 auch Herat, das seit 1856 in der Gewalt der Perser war, wieder. Nach seinem Tod (29. Mai 1863) konnte sein Sohn Scher Ali erst nach blutigen Fehden mit seinen Brüdern den Thron behaupten. 1878 wurde Scher Ali (gest. 1879) wegen seiner Freundschaft mit Rußland von den Engländern vertrieben und, als unter seinem Sohn und Nachfolger Jakub Chan die brit. Gesandtschaft in Kabul ermordet worden, 1880 Abd ur-Rahman, Dost Mohammeds Enkel, als Herrscher eingesetzt, Jakub in Indien interniert. Abd ur-Rahman starb 1. Okt. 1901; ihm folgte sein Sohn Habib Ullah. – Vgl. Roskoschny (1885), Younghusband (»The heart of a Continent«, 1896), Holdich (»The Indian borderland, 1880-1900«, 1901).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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